Montag, 25. Januar 2016

Zuckerverlauf eines Nicht-Diabetikers


Dieser Artikel bezieht sich auf das FreeStyleLibre Messsystem zur kontinuierlichen Zuckermessung.

 Scannen statt Messen


Hallo,

eins vorab: ich bin kein Diabetiker.

Warum ich dennoch einen Artikel über ein Glukose-Messsystem schreibe? Ganz einfach. Mein Mann hat Diabetes, das heißt auch für mich, dass ich täglich mit den Anforderungen und Problemen des Zuckermessens und der Glukose-Kontrolle eines Diabetikers in Berührung komme. 

Seit einigen Monaten jedoch hat sich unser aller Leben sehr zum Positiven verändert. Ein Grund dafür ist die große Erleichterung durch das Messgerät FreeStyleLibre, das dank eines Sensors den Glucosespiegel ständig misst und dessen Werte mithilfe des kleinen Gerätes ausgelesen werden können. Das Gerät heißt:


FreeStyle Libre


Flash Glukose Messsystem
Von Abbott
Start-Paket, Lesegerät + 2 Sensoren: 169,90 €
Gerät einzeln: 59,90 €
Sensor einzeln: 59,90 €

Jeder Sensor eignet sich für die Messung des Glukoselevels im Gewebewasser für bis zu 14 Tage.
Mehr dazu findet ihr unter: freestylelibre.com

Da mein Mann so begeistert von dem Gerät ist, und sich in unserer Familie einiges verändert hat, seit er das Libre benutzt, wollte ich das auch gerne mal ausprobieren. Außerdem sind für uns vorrangig die Werte eines Nicht-Diabetikers interessant. Wolltet ihr nicht immer schon einmal wissen, wie sich der Glukoselevel eines Gesunden verhält? Das ist auch für mich eine sehr spannende Frage.

Zunächst aber ein paar Worte zum Gerät selbst.

Das Messsystem wird ausschließlich für Erwachsene (nicht schwanger und kein Dialysepatient) empfohlen.

Der Sensor wird mit einer Anbringvorrichtung auf der Rückseite des Oberarms angebracht. Dort kann er bis zu 14 Tage verbleiben. Gemessen wird nur über das Auslesen des Sensors mit dem Lesegerät. Es wird kinderleicht über den Sensor bewegt und schon erscheint der Messwert im Display. Und mit dem aktuellen Wert ebenso der Glukoseverlauf im Blut während der vergangenen 8 Stunden.

Für die kontinuierliche Messung reicht es somit aus, alle 8 Stunden den Datenspeicher des Sensors auszulesen. Zumindest für mich als Nicht-Diabetiker. Mein Mann zum Beispiel misst zurzeit fast ausschließlich mit dem FreeStyleLibre seine Zuckerwerte. Lediglich bei unklarem Verlauf, stark ansteigendem/stark abfallendem Glukose-Wert oder bei Symptomen, die auf eine Unterzuckerung hinweisen, aber nicht mit dem Messwert übereinstimmen, überprüft er zusätzlich den Blutzuckerwert mittels Teststreifen.

Insgesamt atmet er oft erleichtert auf und betont, wie revolutionär einfach das Messen mit dem FreeStyle Libre geworden ist. Auch die Verlaufskontrolle und das Anpassen der Insulin-Basalrate hat sich derartig verbessert, dass sogar mir die Vorteile des neuen Gerätes stark auffallen. Mühselige Weglassversuche werden um ein Vielfaches bequemer. Oft bemerke ich gar nicht, dass sich mein Mann mitten in einem Weglassversuch befindet.


Ein Selbstversuch oder:

Der Zuckerverlauf eines Nicht-Diabetikers


Zum Ausprobieren habe ich mir auch einen Sensor angebracht. Beziehungsweise hat mein Mann den Sensor gesetzt, weil ich doch etwas Respekt vor dem Pieks hatte. Doch gepiekst hat da gar nichts. Der Sensor war plötzlich drin. Alles, was ich bemerkt habe, war lediglich ein kurzes Brennen. Auch das Tragen im Allgemeinen schränkt nicht weiter ein. Ich kann den Arm normal bewegen, Liegestütze machen und sogar darauf liegen. 

Auch die eigentliche Glukose Messung ist denkbar einfach und selbsterklärend. Das FreeStyle Libre Lesegerät wird einfach im Abstand von 1cm bis 4cm über den Sensor bewegt und schon ist der Wert ablesbar. Das funktioniert bei mir reibungslos, bloß sehr selten wird ein Sensor-Fehler angezeigt, so dass die Messung nach zehn Minuten wiederholt werden muss. Meistens wird der Glukoselevel in Sekundenschnelle angezeigt. Je nachdem, wie die Signaltöne eingestellt sind, kann dies absolut unauffällig und leise erfolgen, so dass niemand in meinem Umfeld die Messung überhaupt bemerkt. Es ist fast so, als hätte ich mich mit dem Smartphone in der Hand am Arm gekratzt. Perfekt.

Nach einer Stunde konnte die erste Messung beginnen. Die war allerdings noch nicht sehr aussagekräftig. Mein Glukosewert war zunächst so niedrig, dass das Lesegerät LO angezeigt hat. Nach der ersten Nacht sah es noch ähnlich aus. Lauter rote Bereiche, die Werte unter 50mg/dL kennzeichnen. 


Anhand der Auswertungen über den PC kann ich erkennen, dass es etwa zwei Tage dauert, ehe sich der Sensor richtig eingestellt hat.

 


  

Ab dem dritten Tag werden die Werte verlässlicher:




Ich sehe sehr deutlich, wann ich etwas gegessen habe. Die Spitzen kennzeichnen jeweils den Glukoselevel kurz nach den Mahlzeiten, hier ein Beispiel:



Sehr interessant war für mich die Feststellung, dass die Spitzenwerte sich nicht sehr verändern, obwohl die BE-Menge teilweise stark variiert. Das konnte ich an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen beobachten:
 





Zuckerspiegel bei sportlicher Betätigung

Die Glukoselevel-Entwicklung während normaler Tage und vor/nach den Mahlzeiten ist für mich persönlich aber weniger relevant. Ein Grund, warum ich überhaupt diesen Selbstversuch mache, ist die Darstellung des Zuckerspiegels während sportlicher Betätigung. Ich bin Marathonläuferin und laufe mindestens dreimal pro Woche eine Stunde in mäßigem Tempo. Während der Marathonvorbereitung absolviere ich  auch viele längere Läufe über 1 Stunde hinaus. Ich bin besonders daran interessiert, zu sehen, wie sich die Glucosewerte vor, während und nach der Belastungsphase verändert.


Hier Sport, im Vergleich ohne Sport:
Hier nochmal etwas deutlicher während einer Stunde Joggen in mäßigem Tempo, also so, dass ich leicht außer Puste bin, aber mich noch problemlos unterhalten kann.


Die nächste Grafik zeigt den Zuckerverlauf ohne vorherige Mahlzeit. Es erfolgt ein Anstieg, obwohl ich keine Kohlenhydrate zu mir genommen habe.



Anstieg des Glucoselevels beim Verzehr von Traubenzucker

Neugierig war ich auch im Hinblick auf das Essen von Traubenzucker. In der Kurve erkenne ich deutlich den schnellen Anstieg. Gerade mal 6 Stück Traubenzucker, also etwa 1BE, bewirken innerhalb von wenigen Minuten einen sehr starken Anstieg. Es hat keine halbe Stunde gedauert und schon war mein Glucosespiegel auf 180.

Der Anstieg beim Verzehr von Traubenzucker geschieht auch bei mir schneller und steiler als beim Verzehr von langkettigen Kohlenhydraten, wie sie in Brötchen oder Pizzateig zu finden sind. Der Spitzenwert steigt auf über 185mg/dL. Im Vergleich dazu liegt der Spitzenwert beim Verzehr einer Pizza bei etwa 140mg/dL.



  

Fazit

 

 


Nach knapp zwei Wochen habe ich definitiv genug vom Messen. Ich bin wirklich froh, gesund  und nicht auf das Messen angewiesen zu sein. Dennoch konnte ich einen interessanten Einblick in die Welt eines Diabetikers erhalten. Mein Mann und alle Diabetiker verdienen meinen Respekt. Es bedeutet enorme Denkanstrengung und Kraft, sich den ganzen Tag über mit dem Blutzuckerspiegel auseinandersetzen zu müssen. Jetzt weiß ich, dass es nicht so leicht ist, jede Mahlzeit im Hinblick auf Broteinheiten und Insulinmenge im Auge zu behalten. Es ist wirklich schwer, die Kohlenhydrat-Menge genau abzuschätzen und entsprechend Insulin zu spritzen.

Dennoch stellt das FreeStyle Libre Messgerät eine große Erleichterung dar, sowohl für meinen Mann als auch insgesamt für unsere Familie. Das Zuckermessen fällt in der Öffentlichkeit weniger auf, das Piksen im Finger fällt fast komplett weg und der Zuckerverlauf kann besser kontrolliert werden.

Der Sensor hat die zwei Wochen gut durchgehalten, selbst in der Badewanne hat er sich nicht gelöst. Das Pflaster allerdings wurde nach dem Duschen und Baden dennoch weich und hob sich an einigen Stellen von der Haut ab. Beim An- und Auskleiden musste ich dann besser aufpassen, damit ich ihn nicht abgerissen habe. Daher habe ich den Sensor nach knapp einer Woche mit einem Streifen Heftpflaster fixiert.

Ich habe den Sensor kaum gespürt. Lediglich in der Öffentlichkeit habe ich mich etwas unwohl gefühlt. Der kleine weiße Punkt ist gerade im Schwimmbad oder in der Saune doch sehr auffällig und unsere Mitmenschen schauen ungewollt dahin. Die flüsternden Kommentare in der Sauna bleiben mir im Gedächtnis („Was hat die am Arm?“ oder „Guck mal schnell!“). Das hat sich für mich ein wenig angefühlt, als hätte ich eine neue Brille bekommen und mich noch nicht an die Gesichtsausdrücke meiner Freunde gewöhnt. Die schauen dann immer so: irgendwas an ihr ist anders, aber was?

Insgesamt fand ich das Experiment sehr aufschlussreich. Und ich kann das Messgerät in jeder Hinsicht empfehlen. Es ist besitzt viele Funktionen, ist aber dennoch sehr leicht zu bedienen und liefert relativ verlässliche Werte. Kontrollmessungen sind nur nötig, wenn das Körpergefühl nicht zu den Messwerten passt oder sich der Zuckerspiegel rasant ändert. Mein Mann jedenfalls misst nur ab und zu einen Wert mit der konventionellen Methode nach. Und ich kann ihn jetzt viel besser verstehen.


Liebe Grüße
Yolante

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Kommentare:

  1. Bitte ändere den Artikel insofern ab als das die Gewebsglucose und nicht der Blutzucker gemessen wird. Das ist ein großer und feiner Unterschied. Ansonsten sehr interessant dein Artikel.

    Lg

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    1. Danke für den Hinweis. Es stimmt, der Sensor misst im Gewebewasser und die Begriffe Blutzucker und Glucoselevel dürfen in diesem Fall nicht synonym verwendet werden. Ich habe den Artikel dahingehend nochmal überarbeitet.

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  2. Sehr interessant. Leider kenne ich mich da nicht aus, aber trotzdem interssant geschrieben.
    LG Sandra

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  3. Super Bericht!
    Unglaublich, wie schnell und gut eine gesunde B.Drüse den Zuckerhaushalt regelt - wahnisnn, im Vergleich zu einem Diabetiker.
    Interessant ist auch, dass der Z.Spiegel steigt während der körperlichen Belastung. Beim Traubenzucker hätte ich bei einem Nicht-Diabetiker nach dem "Hoch" aber einen Unterzucker erwartet ...?
    LG Rick

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  4. Meines Wissens nach ist der Sensor inzwischen auch für Kinder ab 4 Jahren freigegeben. Vielleicht noch mal recherchieren und den Artikel dahingehend korrigieren.
    LG Susanne

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